When the going gets tough the tough gets going

by Markus Petzl
10. March 2021

Ein gnadenlos optimistischer Beipackzettel zu meinem WakeUp:Innovation! Talk

Zuallererst. Darf man in einer Pandemie nach deren Chancen fragen? Ja, darf man. Genauso wie man sich zutiefst bewusst sein muss, dass all das, was wir gerade erleben zutiefst schmerzlich, traurig, einschneidend und verletzlich für uns alle ist. Und noch einige Zeit so sein wird. Nicht nur hier bei uns. Sondern auf der ganzen Welt.

Genau deshalb bin ich der Meinung, dass man Sätze wie „Jede Krise hat Chancen, die man nur nutzen muss. Dass kann ich jetzt nicht mehr hören.“ gnadenlos ignorieren sollte. Ich höre sie jeden Tag. Und ignoriere sie. Nicht weil sie falsch sind. Sondern weil sie zu viele und zu oft sind. Gerade der in unseren Breiten völlig unausgeprägte positive Zugang zu Veränderungen und Krisen lässt uns jeden Morgen eine Flut von negativen, dystopischen und depressiv stimmenden Eil- und weniger eilenden Meldungen ins Haus und Hirn flattern. Wir sind quasi Gefangene in einer immer tiefer greifenden dystopischen Filterblasenwelt. Das Positive, das Lebendige, das Optimistische, das Unternehmerische, das nach vorne Blickende scheint kollektiv abgesagt.  Aufgeschoben für bessere Zeiten. Nur. Die besseren Zeiten entstehen nicht von selbst. Sind sie noch nie. Man muss hart an ihnen arbeiten. Innovativ sein. Wege gehen. Daran scheitern. Besser scheitern. Um wieder neue Wege gehen. Kollektiver Widerstand vor der Veränderung ändert sie nicht. Weil Veränderung eine Frage der Energie ist. Leider sind wir Menschen energieoptimierende Wesen. Wir geben soviel Energie aus, wie gerade notwendig und möglich ist. Der Rest ist hartes Training. Optimistisches Denken. Und der Wille, auch etwas bewegen zu wollen. Zum Beispiel sich selbst zu bewegen. Um uns dann alle gemeinsam raus aus einer Krise bewegen zu können. Und zwar genau in dieser Reihenfolge. Zuerst mich selbst. Und dann wir alle. Wie im Flugzeug, wenn die Masken fallen. Nicht jeder kann derzeit diese Energie aufbringen. Genauso wie das in anderen Krisen der Fall war. Deshalb liegt es an jenen, die diese Energie der Veränderung aufbringen können, diese Welt für uns alle zu verändern. Und jenen zu helfen, die diese Energie derzeit einfach nicht haben oder aufbringen können. So funktioniert Therapie. So funktioniert Rehabilitation. So funktioniert Bewegung. So funktioniert Entwicklung. Wir müssen sie diesmal nur viel kollektiver denken. Und globaler. In den USA spricht man vom posttraumatischen Wachstum. Also dem Wachstum, das aus unseren tiefsten Lebenskrisen heraus entstehen kann. Ich bin so optimistisch zu glauben, dass all die Traumata, die wir alle gemeinsam in dieser Zeit erlebt und erlitten haben, ein ganz besonderes Wachstum hervorbringen könnte.  Hin zu einer besseren, nachhaltigeren, optimistischeren Welt. Drei erste Wegweiser dazu.

#1 Noch nie waren unsere alten und veralteten Systeme so sichtbar, so hinterfragbar und so messbar wie in diesen schwierigen Zeiten der Pandemie. Stichwort Gesundheitssystem, Verwaltung, Bildung, politische Führungsfähigkeiten, globale Wertschöpfungsketten etc.

#2 Noch nie waren so viele neue Technologien zugleich und beinahe für alle zu solch niedrigen Preisen verfügbar wie in diesen Tagen. Stichwort Digitalisierung, Bio(n)tech, Virtualisierung, AI, …

#3 Noch nie hatten so viele Menschen und Generationen so ein geschärftes Bewusstsein für eine Welt, die eigentlich ganz anders sein müsste.

Als ich mitten in dieser dunkelsten Krise mit Bekannten in den USA chattete fragte ich naiv, was sie denn glauben, wann es denn nach der Krise wieder los gehen wird. Ihre umso naivere Antwort: Es geht doch längst wieder los. Und genau dieser gnadenlose Optimismus führt mich zu meinem letzten Satz, der eigentlich eine offene Frage an uns alle ist: Wenn man dich in 5 Jahren fragen sollte, was Du denn eigentlich damals aus dieser Krise gemacht hast, was wird wohl deine Antwort sein?

Lesedauer: ca. 2 Min.
Autor: Markus Petzl

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